Auch wenn die katholische Kirche die Rolle der Frauen immer noch nicht ernst nehmen will, sie weiterhin als Menschen zweiter Klasse behandelt: In den vielen Jahren der Arbeit mit Forumtheater sind sie im kirchlichen Bereich genau so oft als übergriffige Täterinnen vorgekommen.

Mir war das zuerst nicht so präsent, aber anscheinend haben da viele Nonnen und frommen Fräuleins ihren Eifer vor den Hochwürden besonders bewiesen: Von den Erzieherinnen im Kloster auf Frauenchiemsee bis zu diversen Kinderheimen wurden besonders perfide Strafmassnahmen berichtet, bei den Männern (Priestern) waren es dann mehr die sexuellen Anspielungen und Grenzverletzungen.

Auffällig bei den meisten Szenen war die Scham der Teilnehmenden, die diese auch schnell wieder zurückzogen, wenn nicht andere in der Gruppe nachfragten und Verständnis zeigten.

Der Vater, als Realschuldirektor eine stadtbekannte Person, der seiner pubertierenden Tochter von hinten zwischen die Beine griff, würde heute auch bestreiten, dass da ein Schaden entstand, weil er das herzzerreissende Heulen nicht erlebte, als es endlich ausgesprochen war … was der inzwischen zwanzigjährigen die Freude an ihrer Beziehung verdorben hatte.

Wie vielen Frauen ist (nach den damaligen, oft fast gemeinschaftlich erlebten Kriegsvergewaltigungen) durch Beichte und „Gewissenserforschung“ die Freude an der Sexualität zerstört worden? Wie viele Männer büssten ihre Einfühlung, Zärtlichkeit und Potenz durch blöde Sprüche und verklemmte Vorschriften ein?

Wenn Therapeuten endlich sprechen würden: Das Schweigen gilt dem Schutz der Person, nicht der Täter und der vermeintlich kleinen Untaten.

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