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Simone Odierna/Fritz Letsch: Theater macht Politik. Forumtheater nach Augusto Boal.Ein Werkstattbuch AG SPAK Verlag

Forumtheater:

fritz-letsch.eineweltnetz.org

Regelmässig geraten wir in ein Dilemma, und kaum sind wir wieder draußen, könnten wir es wiederholen.

Bert Brecht suchte mit Freunden und KollegInnen nach neuen Ausdrucksformen der Aufklärung für das Theater und nach gemeinschaftlichen Arbeitsformen darin, wie mit Erwin Piscator, der auch neue Theater-Bauten dafür entwarf, und im Exil in New York die Theaterpädagogik dazu entwickelte, wie sie uns Judith Malina berichtete und im Living Theater lebte, bis heute weiter gespielt und gelebt.
Augusto Boal fand seine Theater-Methoden im Dialog der brasilianischen Volkstheater-Tradition mit der befreienden Pädagogik von Paulo Freire, im Kampf gegen Militärdiktaturen und im Aufbau demokratischer Strukturen in den Arbeiter-Bewegungen.
Zuletzt schrieb er noch eine „Ästhetik der Unterdrückten“ gegen die Orientierungslosigkeit in der modernen Warenwelt.

Forumtheater kann die Anliegen und Problemstellungen einer Gruppe in der Öffentlichkeit präsentieren und diskutieren, um bis zum **Legislativen Theater** auch Gesetzesänderungen zu erreichen.

Augusto Boal entwickelte vor dem Hintergrund der Arbeiten von Bert Brecht und Erwin Piscator und der befreienden Pädagogik von **Paulo Freire** in Brasilien neue Methoden kommunikativer Theaterarbeit, die in seinem Exil in den 1980er nach Europa und sich dann in der Bildungsarbeit weltweit verbreiteten.

Bilder zu Themen
Aus dem Augenblick der Idee eine Geste von Angst / Druck / Ärger vorstellen
Das „Lesen der Geste“ aufnehmen und in Gedanken wirken lassen

Themen zu Szenen
Aus den Themen der Gruppe die eigenen Empfindungen wachsen lassen: Anderes und Eugenes

Forum-Szenen für ein Publikum
In (etwa) Fünfer-Gruppen Erlebnisse erzählen und auswählen, zu einer Symbol-Szene kombinieren

Legislatives Theater mit Gruppen aller Themen
Hören, dass eine Gruppe in Thema richtig adressieren kann: Recht als veränderbar erleben

Aktion mit allen Teilnehmenden

Für alle Beteiligten: Alle haben eine Aufgabe, auch der Dokumentation / Reflexion / …
Erste Anleitung in großem Zirkel, versetzt stehend, die methodischen Schritte kennen-lernen

Körperwahrnehmung

zum Lockern und zur Vorbereitung für den mutigen Ausdruck

Alle stellen sich in einem großen Kreis, versetzt hintereinander, und bewegen nach Anleitung von den Zehen über Hüften und Rückgrat, Schultern und Kinn, Nasenspitze bis zu Stirn und den Ohren … (5-10 min)

„Testverfahren“ zu zweit / zu dritt: Mit der Hand ein Gesicht führen und die Grenzen der Beweglichkeit erreichen, zu zweit, tauschen, verabschieden, / zu dritt / kurz nach-besprechen (5 -10 min)

Statuen bauen

Ausdruck und Eindruck: Vorbereitung zu Statuen: Die fünf Schritte:

  • Eine Person „ergreifen“: Hand und Gesicht … in Verbindung
  • Die Haltung verändern, Stellung der Füße – Erlaubnis der Berührung
  • Das Gesicht „wie im Spiegel“ zeigen
  • Die Augen auf einen Auslöse-Punkt richten
  • Einen Ton, ein Wort, einen Satz … ein-flüstern

Alle Bild-Gestaltenden besichtigen und begegnen die anderen Statuen

Die Statuen begegnen sich untereinander: Was passiert?

kurze Pause, Austausch, Wechsel, Wiederholung, voneinander verabschieden

Ende der Methoden-Anleitung, Kurze Einführung zu Forum-Szenen und den dramatischen Punkt

Start mit inhaltlichem Gruppengeschehen

Tabu-Themen zur politischen Arbeit

in thematisch gebildeten Fünfer-Gruppen aus Teilnehmenden-Vorschlägen
zu den bisherigen Tagungs-Themen auf Zuruf
Gruppen sollten sich teilen, wenn sie mehr als 5 Personen werden, damit alle zu Wort kommen

Situationen für mögliche Forum-Szenen in der Gruppe gegenseitig erzählen, die Schlüssel-Statue erstellen, vielleicht vorstellen?

Abschluss zum Legislativen Theater in Rio de Janeiro:

Gruppen aller Art … verschaffen sich Gehör im Rathaus

Themen- und Szenen-Sammelnde: Schreiben und Fotografieren?
In Gruppen auf Pinnwänden präsentieren: Stichworte, Themenbereiche,
Fotos als Web-Show, Freigabe-Vorgang der Bilder für Dokumentation?


Vertiefende Workshops:
*Den Körper und seinen Ausdruck in Übungen präsent machen*
Wanderung durch den ganzen Körper und seine Ausdrucksfähigkeit, Statuen- und Bildertheater für die genauere Verständigung „unter Druck“ Stimmen hören und Gedanken lesen: Intra- Projektion als typische Methode für die soziale und gesellschaftliche Arbeitsrichtung des Theater der Unterdrückten;

*der Blick für den Dramatischen Punkt.*

Grundlagen der Theaterpädagogik für die verschiedenen Alters- und Zielgruppen: Motivation, Einladung, Wissen um Theaterformen, Ängste; Nachbesprechung und gemeinsame Auswertung, Protokollformen Vom Statuen- zum Forum-Theater: Die Joker-Rolle und die Mechanik der Veränderung

Forum-Theater braucht Dramatische Gestaltung;

Vom Bild zur Handlung.
Proben-Techniken zur Vertiefung und Schärfung des Ausdrucks, Stimm-Konzert
Die Arbeit des Jokers: Spielleiter und Anwalt des Publikums, Moderation.
Entstehen und Entwicklung des Theater der Unterdrückten in seiner südamerikanischen Herkunft,
Transfer in europäischen Anwendungen,
Reflexionen unserer pädagogischen Grundlagen und der Praxis-Bewertung

Kraft-Rituale und gezielte Dramatik: Mit Publikum spielen Zuspitzung von Szenen für die Mitarbeit des Publikums: Mechanismen der Unterdrückung sichtbar machen, für Eingriffe und Veränderung zugänglich. Das Spiel der Macht: Gestaltung stärkender Pädagogischer Arbeitsformen

Der Unterschied zwischen idealistischer Theaterpräsentation und episch- veränderbarer Darstellung: Brechts Vorstellungen und unsere kulturellen Ausdrucksformen im Spiegel des politischen und gesellschaftlichen Bewusstseins, Möglichkeiten zukunftsweisender Gestaltungen.
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