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Forumtheater lässt das Publikum die Lösungen finden

Monat

Dezember 2005

Theater im Dialog: heiter, aufmüpfig und demokratisch

Irgendwo gibts auch meinen Artikel zu lesen: Die Verwandtschaft von Gestalt und Forum-Theater
erschienen in: Helmut Wiegand (Hg): Theater im Dialog: heiter, aufmüpfig und demokratisch:
Deutsche und europäische Anwendungen des Theaters der Unterdrückten.

Mit einem Beitrag von Augusto Boal. als Buch bei mir oder im ibidem-Verlag zu haben: http://www.theaterderunterdrueckten.de
Das Theater der Unterdrückten erlebt in Deutschland eine Renaissance, nachdem es jahrelang in sozialpädagogischen Nischen verschwand. … [-> mehr dazu]

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Die Faustregel für die Tabus unserer Gesellschaft

Im Überblick der schwierigsten Themen der letzten Jahre habe ich einen TABUKATALOG zusammengestellt, eine Faustregel für Unterdrückung und ein Wegweiser zur Kultur des Schweigens:

Der Daumen steht bei den Handlinien für das Ich, in meiner Faustregel für die Sexualität. Keine Lernorte, keine angenehme Sprache, aber gezielte Vermarktung und massive Personenzerstörung durch Anreizung, Moral und Schuldgefühle sind die deutlichsten Anzeichen.

Der Zeigefinger wird für das Du benutzt, in meiner Faustregel für das Thema Geld, das unsere Beziehungen bestimmt. Von den Sprüchen „Geld verdirbt die Freundschaft“ und „Über Geld spricht man nicht, Geld hat man“ bis zur Frage nach Reichtums- und Klassenunterschieden und das geistige Verbot des Wortes ‚Kapitalismus‘ ist es von Geheimniskrämerei umgeben und könnte unsere Beziehungen sehr gut offenlegen.

Der Mittelfinger ist dem Thema Religion oder auch dem Sinn des Lebens zugeordnet. Entweder das Fertigpack einer Konfession, oder die Do-it-yourself-Version von Atheismus und Freidenkern; Taufe, Initiation, Hochzeitsritus und Begräbnis inbegriffen oder nicht… ein offenes Gespräch jenseits der Vokabeln der Pfarrer ist kaum möglich.

Der Ringfinger ist den längerfristigen Beziehungen zugeordnet, in meiner Arbeit den Themen Krankheit, Tod, Abschied, also den Störungen dabei. Vor allem die Trauer, die Zulässigkeit tiefer Gefühle und ihr gesellschaftlicher Ausdruck sind so behindert, daß Beerdigungen und Abschiede sehr oft in peinlichen Formalismen steckenbleiben.

Der kleine Finger
übernimmt die restlichen Themen von abweichendem Verhalten: Anders sein. Les- bi- schwul oder trans, behindert oder farbig, andersgläubig oder für eine Gesellschaft unpassend, alle Außenseiter wie auch Berühmtheiten, inbegriffen. Die Angst vor dem Fremden bleibt sprachlos und aggressiv, wird in Witzen und Unterstellungen oberflächlich abgehandelt.

Gemeinsame Eigenschaften aller Tabus:
Es fehlt die Sprache, sie wirklich treffend anzupacken, gleichzeitig liegt eine Geschwätzigkeit der Ablenkung darüber. Paulo Freire verwendet die Begriffe ‚Mythos‘ und ‚Kultur des Schweigens‘: Wir haben immer gute Gründe, nicht darüber zu reden. Wenn wir es trotzdem wollen, geht es nicht: Wir kommen vom Thema ab, werden unruhig, müssen rauchen… Wenn wir plötzlich müde werden, gähnen, Kopfschmerzen bekommen – und auf einmal gar nicht mehr wissen, was wir gerade wollten: dann haben sie gut gearbeitet, unsere Polizisten im Kopf.

Es ist gut, viel über sie zu wissen, aber es ist so unsinnig wie bewaffneter Kampf gegen Panzerwagen, wie Militär gegen Terrorismus, mit Gewalt gegen sie losziehen zu wollen. Weil sie von unserer eigenen Angst genährt sind, können wir sie nur sanft und nach ihren eigenen Prinzipien, mit gewaltfreier Methodik und Intelligenz, überlisten.

Prävention mit Theater-Methoden bei den Zielgruppen ansiedeln

Prävention mit Theater-Methoden bei den Zielgruppen ansiedeln

Was zum Thema Aids in anderen Breitengraden erfogreich angewandt wird,
kann auch bei uns in Jugendarbeit und Schule wirksam werden: *Beispiel

Wenn Jugendliche und Schüler die Themen der Prävention selbst in Szene setzen,
und die intensive Auseinandersetzung im Publikum dazu angeregt wird,
kann ein Thema nicht an ihren Erfahrungen und Realitäten vorbeigehen.

Es entstehen dabei keine moralischen Apelle, sondern Bilder ihrer eigenen Dilemma:

Wie stehe ich in den Augen der Anderen mit diesem oder jenem Verhalten da?
Welche möglichen Varianten und welche Auswege, aber auch welche Hilfen gibt es?

Dabei können sowohl die Themenbereiche Aids und Sexualität,
als auch Drogen und Konsum angesprochen und zur Wahl gestellt werden.

Zur Ansiedlung eines gelungenen Forum-Theater in der Jugendarbeit und Schule
kann eine eigene Workshop-Erfahrung gute Grundlagen schaffen:

Dann können Sie selbst die Jugendlichen und Schüler zur Erstellung von Szenen anleiten,
oder TheaterpädagogInnen / SozialpädagogInnen / Präventionsmitarbeitende einladen.

Die Methode des Forum und die Arbeit des Joker sollte einmal erlebt sein,
damit sie den KollegInnen wie den Zielgruppen logisch erläutert werden kann.

Einführungstag mit dem Pädagogischen Institut
Workshop mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt / Prävention in Vorbereitung

*Beispiel:

Auf dem staubigen afrikanischen Dorfplatz fangen ein paar Fremde an, eine Bühne aufzubauen.
Die Kinder schauen schon neugierig, die Jugendlichen gesellen sich allmählich dazu. Vorsichtig
kommen auch die ersten Frauen dazu, dann die Männer und die Alten.

Die Theaterleute beginnen, sich umzukleiden, etwas zu schminken, bis ihre Rollen klar sind:
Die junge Frau, die ausgehen will, der junge Mann, die Eltern und noch ein paar junge Leute.

Die Geschichte beginnt: Ermahnungen die abgewiesen werden, Einschüchterungsversuche.

Ankunft im Kreis der Freundinnen und Freunde, zuerst locker, doch ein Konflikt bahnt sich an,
Verhalten wird erwartet und eingeklagt.
Das Dilemma wird klar: Zu den Freundinnen halten oder den anderen Erwartungen folgen?

Das Stück wird unterbrochen, Unruhe im Publikum:
Eine Joker-Figur fragt das Publikum, wie die Hauptfigut weiterspielen soll:
Moralisch oder Unmoralisch?

Das Dilemma wird ausgesprochen, Meinungen zu den Möglichkeiten, vielleicht auch Auswege.
Wortführende werden auf die Bühne gebeten,
wenn sie nicht bereit sind, kann ihr Vorschlag auch von den SchauspielerInnen gespielt werden.

Es folgt die Frage der Joker-Rolle, ob nun alle zufrieden sind: Andere Meinungen werden bestärkt.
Wieder die Möglichkeit, eine andere Version selbst zu spielen, oder vorgespielt zu bekommen.

Weiter offene Fragen, bis das Publikum in den Diskussionen zurückgelassen wird:
Das Stück hat gewirkt, auch ansonsten tabuisierte Themen können angesprochen werden.

Forum-Theater bringt das Dilemma auf die Bühne

Forum-Theater nach Augusto Boal entwickelt mit den Teilnehmenden die Szenen ihrer eigenen Konflikte, in der eigenen Werthaltung und in Kontakt mit anderen.

Im schnellen Inszenieren der Situation als Statue werden die Anteile sichtbar, die Energien und die Haltungen, die uns bremsen. In der Forum-Entwicklung nehmen wir das Thema in die gemeinsame Formulierung, weg von der ursprünglichen Belastung, und machen es als Gruppe zum Thema für ein Publikum:

Das Publikum soll in unserer Hauptfigur die Gefahr des Scheiterns miterleben, die scheinbare Ausweglosigkeit zwischen Ansprüchen und Wirklichkeit, zwischen Anforderungen und eigenen Wünschen.

In der Bereitschaft zur Veränderung der Szenen wird dann anschaulich, dass es durch die verschiedenen Sichtweisen des Publikums durchaus mehrere verschiedene Blickwinkel und Lösungsmöglichkeiten gibt, wenn die je eigene Haltung nicht all zu absolut, kurzfristig oder vorgefasst festgehalten wird.

vor der gruppe

Debatten in verschiedenen Varianten vorbereiten

Unsere bisherigen Debatten haben fast immer in der Öffentlichkeit stattgefunden, im Gegensatz zu den Trainings und den Debatten in der Uni. Die Konzentration auf „Laufkundschaft“ darf uns aber nicht in die Verkürzung der Möglichkeiten treiben, die in ihrem vollen Umfang zur Verfügung stehen sollten:

Dazu gehört für mich zuerst die Einladung zur Themenfindung,
dann die Vorbereitung, das jeweils persönliche Thema zu gewinnen
und die eigene Rolle innerhalb der Debatte und in der Pro oder Contra-Gruppe,

dazu die Öffentlichkeitsarbeit und die direkte Werbung vor Ort,
dann der gemeinsame Auftritt (Gestaltung) und die Moderationsrolle,
bis zur direkten Rede und Erwiderung auf die Beiträge, auch des Publikums.

Dabei sehe ich jede Beschränkung der Publikums-Beiträge (in der Anzahl) als Kürzung:
Wenn ein Thema gut eröffnet ist, soll – wie im Legislativen Theater
unsere Aufgabe sein, die Beiträge der anderen Teilnehmenden zu dokumentieren.

Das wird für uns natürlich nur bei wirklich ernsthaften Themen wichtig,
und wir brauchen da auch eine Konzentration auf echte Veränderungspolitik,
klar unterschieden von den Feuilliton-Themen (Hundedreck im Engl. Garten …?)

Das werden allerdings auch die Themen, die wir wirklich gut dokumentieren sollten:
Ich merkte bei mir den Unterschied bei unserer Noten-Debatte:

Da war ich so emotional und fachlich beteiligt, dass mich manche flachen Argumente störten,
und dann auch noch das Meinungsbild am Schluss entsetzte: Alles nicht so ernst?

Solche Flapsigkeiten dürfen wir uns in wirklichen Beteiligungsthemen nicht leisten,
und ich könnte mir schon vorstellen, dass wir uns in einer Haidhausener U-Bahn-Diskussion
damit schon ziemlichen Unmut einfangen könnten …

Da kommt natürlich die Frage nach den Moderationsqualitäten für so heisse Themen auf:
wer traut sich das jeweils zu, wem trauen wir uns und unsere Themen zu?

keine noten

Berner Variante zur Hyde-Park-Corner

Der Berner Künstler Carlo E. Lischetti ist nichts ausschliesslich,
sondern alles zusammen: Maler, Bildhauer und Videoartist ebenso
wie Aktionist und Performer, Liedermacher und Wortjongleur – auf
Lischettis eigene Kurzformel gebracht: «Ich bin mein Beruf».

«Ich träumte meistens und sah Wunderbares. Mit 12 fing ich an,
Gott zu verfluchen. Ich war alleine auf der Welt. Niemand konnte
mir helfen. Gottes Rache blieb aus, und ich gewann den Zweikampf
mit Gott.»

Nun hat er sich verabschiedet.
Seine Werke auf http://www.g26.ch/art_lischetti.html

Als Geschenk der SP zur 800-Jahrfeier der Stadt Bern kann die von CEL vorgeschlagene «Rednerplattform» über der leeren Säule des «Postgass-Brunnens» realisiert werden. Die Einsprache des erzkonservativen Vereins «Heit Sorg zu Bärn» hatte die Realisierung über ein Jahr verzögert. Die Plattform, als bernische Variante zum Hyde-Park-Corner gedacht, wird am 24. Januar 1992 eingeweiht. CEL besteigt die Plattform in Ritterrüstung und mit Schwert und entledigt sich oben seiner Utensilien. Dazu erklärt er, das sei jetzt die Abrüstung oder der «Ritterstripper».

lischettibrunnen original: http://www.bern-altstadt.ch/leist-der-untern-stadt/brunnen/lischettibrunnen.htm

mitREDEN! – Speakers Corner für München

mitREDEN! – Speakers Corner für München


Idee

Miteinander reden, einander zuhören, sich eine Meinung bilden, andere überzeugen – so funktioniert Demokratie. Doch in Deutschland gibt es kaum Orte, an denen öffentlich miteinander um die beste Entscheidung gerungen wird. In Talkshows plappern Politiker, in Parlamenten segnen sie Entscheidungen meist nur noch ab. Die Debattierkultur ist an einem Tiefpunkt.

Das Bündnis zur Erneuerung der Demokratie (BED) und der Debattierclub München e.V. (DCM) meinen, dass es Zeit ist, wieder öffentlich zu diskutieren: So wie einst auf dem Forum in Rom oder an der Speakers’ Corner in London sollen Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit erhalten, andere von ihrer Ansicht zu überzeugen. Erst miteinander reden, dann mitreden! Das ist die Losung für ein Projekt, mit dem BED und DCM Mut machen wollen, das öffentliche Gespräch wieder zu suchen.

Dazu wird an einem festen Standort in der Öffentlichkeit regelmäßig über aktuelle Streitfragen diskutiert. Ein Moderator und Spielregeln sorgen dafür, dass Bürgerinnen und Bürger tatsächlich miteinander reden – und nicht aneinander vorbei.


Umsetzung und Spielregeln

mitREDEN! findet regelmäßig an einem festen Standort in der Öffentlichkeit statt, gut zugänglich und mit Laufpublikum.
Ein Moderator leitet das offene Forum. Er erklärt das Projekt und erteilt das Wort.

Es wird eine Streitfrage zur Diskussion gestellt. Zu jeder Streitfrage gibt es vier Pro- und vier Contra-Redner, sog. „gesetzten Redner“. Die „gesetzten Redner“ sollten erfahrene Debattierer oder solche Personen aus Politik und Bürgergesellschaft sein, die sich bei einem Thema besonders gut auskennen. Sie legen pointiert (und unterhaltsam!) ihre Sicht der Dinge dar. Sie haben dafür jeweils 5 Minuten Zeit. In diesen 5 Minuten hat das Publikum das Recht zu Zwischenrufen und Zwischenfragen. Der Redner kann eine Zwischenfrage zulassen oder nicht.

Nach den vier Impulsstatements eröffnet der Moderator das Forum für jede Person, die gern zum Thema Stellung nehmen möchte (sog. „Open Floor“). Wer das Wort ergreifen will, signalisiert dies. Der Moderator erteilt das Wort. Der Redner hat dann maximal drei Minuten lang Rederecht. Die Redner werden nur unterbrochen, wenn sie eine Zwischenfrage zulassen sowie in den Ausnahmefällen, in denen der Moderator ihre Ausführungen für nicht tragbar hält.

Abschließend fasst jeweils einer der „gesetzten“ Pro-Redner und einer der „gesetzten“ Contra-Redner die Diskussion aus seiner Sicht zusammen (5 Minuten). Diese Schlussredner haben die Möglichkeiten, auf Aspekte der Reden aus dem Publikum einzugehen und noch einmal für die Pro- oder Contra-Seite zu werben. Nach ihren Reden findet eine Abstimmung per Handzeichen über die Streitfrage statt.
Das Publikum wird mit einem pfiffigen Flyer über die jeweilige Streitfrage und die Spielregeln von mitREDEN! informiert.

Kontakt: für BED – Bündnis zur Erneuerung der Demokratie und mitREDEN:
Gunda Krauss, Tel. 089/933 530, email: gunda30339@aol.com
für DCM – Debattierclub München e.V.: Vorstand über Gunda Krauss

/gunda spricht

Dokumentarfilm Pretty Cool System über Demokratische Schulen

Weltweit gibt es mindestens 70 Demokratische Schulen, etwa 30 davon befinden sich in Israel. Die Demokratische Schule in Hadera gehört zu den größten der Welt.

Schüler entscheiden dort selbst, was sie lernen.
Lehrer und Schüler haben gleiche Rechte. – Bei Entscheidungen hat jeder eine Stimme. Der 41-minütige Dokumentarfilm zeigt zahlreiche Szenen, die einen Einblick in das vielfältige Schulleben gewähren. Schüler und Absolventen erzählen von ihren Erfahrungen.

! Die Filmemacher

Die Kinderrechtsgruppe K.R.Ä.T.Z.Ä. aus Berlin setzt sich seit 1992 für grundlegende Veränderungen im Schulsystem ein. Seit vielen Jahren besucht sie außergewöhnliche Schulen in anderen Ländern und berichtet darüber in Deutschland.
Im April 2004 war eine 14-köpfige Gruppe zwei Wochen mit vier Kameras in Israel und interviewte Absolventen, Schüler, Eltern und Mitarbeiter der Demokratischen Schule in Hadera.

schulparlament

weitere bilder der israel-reise gibts auf der seite http://kraetzae.de/schule/israel/fotos/

Ich hab uns die DVD bestellt, dann können wir im Januar … eine Veranstaltung im Selbsthilfezentrum dazu planen … fritz

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